Neue Bcher

Alexander Neubacher
Ökofimmel
Wie wir versuchen, die Welt zu retten - und was wir damit anrichten

Selbstversuche liegen im Trend, insbesondere, wenn es um Ökologie und Umweltbewusstsein geht und um einen Lebensstil, der angesichts von Umweltzerstörung und Klimawandel möglichst nachhaltig sein sollte.

 

Alexander Neubacher, Ökofimmel, DVA VerlagProvokante Abrechnung

Axel Neubacher lebt mit seiner Familie nachhaltig, hält das aber eigentlich für Unsinn. Seinem Buch zum Thema folgt der Film, in dem er uns nun auch in Bildern eine provokante Abrechnung mit unserem ökologischen Gewissen präsentiert. Weil es u.a. Vorgaben folgt, die mal von den Grünen gemacht wurden. Weshalb er Grüne wie Jürgen Trittin und Renate Künast auch plakativ vorführt.

Geschickte Selektion

Das ist legitim, vor allem, wenn kapitale politische Irrwege angeprangert werden sollen. Bei Alexander Neubacher aber wird man das Gefühl nicht los, er wolle ökologisches Bewusstsein und seine Vorreiter nur ins Lächerliche ziehen.
Schade eigentlich, denn die sogenannten Ökos sind nicht per se ideologisch verblendete Spinner, die sich sklavisch an Regeln halten, egal, ob sie was bringen oder nicht. Und nicht alle politischen Maßnahmen der letzten Jahrzehnte sind ökologischer Unsinn. Insofern selektiert der Autor gezielt und pickt heraus, was sich gut angreifen lässt.

Misstrauen ist angebracht

Das in populistischer Manier geschriebene Buch präsentiert Studien und Fakten, die auf den ersten Blick einleuchtend erscheinen. Aber gibt es auch gegenteilige Erkenntnisse, Studien, Fakten? Ist genverändertes Getreide tatsächlich nur harmlos und sind Bioprodukte wirklich nur Täuschung? Wollte man dies und mehr überprüfen, müsste man fachlich tief einsteigen – aber wer tut das schon als normaler Leser?
Eine gehörige Portion Misstrauen gegenüber dieser Art von Aufklärung ist also angebracht, insbesondere wenn – wie im Film – ein Angestellter der Stadtreinigung buchstäblich vorgeführt und mit Mülltrennungsproblemen schadenfroh in die Enge getrieben wird. Und bei der Frage nach der ökologisch korrekten Entsorgung einer Apfelkitsche spürt man die spöttische Absicht und ist verstimmt.

Spott hilft nicht weiter

Zuviel Spott und Ironie führt auf Dauer weder Politiker noch Verbraucher auf den Weg eines sinnvollen Umweltschutzes. Die plakativen Lösungsvorschläge am Ende von Buch und Film wirken nach der Generalabrechnung wie ein verschämtes Alibi. Aber vermutlich hat Herr Neubauer längst ein Apfelbäumchen gepflanzt und seine Mülltrennung eingestellt.
(Christiane Schwalbe)

Alexander Neubacher, Ökofimmel
Wie wir versuchen, die Welt zu retten - und was wir damit anrichten
DVA, München 2012, 214 Seiten, 19,99 Euro