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Maxim Leo
Waidmannstod - Der erste Fall für Kommissar Voss

"Es klingt seltsam, denkt Voss, aber ohne die Klimaerwärmung würde der Gas- und Wasserinstallateur Harro Probst aus Eberswalde jetzt vielleicht noch leben."

 

MAXIM LEO, Waidmannstod, Der erste Fall für Kommissar Voss, KiWiWidersprüchliche Spuren

Zunächst deutet alles darauf hin, dass der geplante Bau von Windrädern, für die Harro Probst Wald abholzen lassen wollte, vielen Dorfbewohnern ein Dorn im Auge ist: Fledermausschützern, Gegnern der Waldrodung, ehemaligen Freunden, die er betrogen hat. Kommissar Daniel Voss stößt aber rasch auf eine Fülle widersprüchlicher Spuren.

Großes Halali

Der Mörder präsentiert sein Opfer auf einer Waldlichtung wie ein zur Strecke gebrachtes Tier nach der Jagd, mit Tannenzweig im Mund, und die Jägerfreunde blasen das große Halali. Viele Freunde hatte der Ermordete nicht, und als einer davon, Graf Feldenkirchen, der nach der Wende auf sein angestammtes Land in die Mark Brandenburg zurückkehrte, einen ebenso waidmännischen Tod im Wald findet, ahnt Kommissar Voss, dass er tief schürfen und sich weit in die Vergangenheit der Toten zurückarbeiten muss.

Nur ein Gefühl

Maxim Leo, Theodor-Wolff-Preisträger und 2011 für seine autobiografische Familienchronik "Haltet Euer Herz bereit" mit dem Europäischen Buchpreis ausgezeichnet, hat mit seinem Kommissar Voss einen ungewöhnlichen Ermittler geschaffen, dem man gern ins Land der maulfaulen Menschen folgt: Voss wurde hier geboren, war Mordermittler in Stuttgart und ist erst kürzlich in sein Elternhaus zurückgekehrt, um sich um seine kranke Mutter zu kümmern. Er ist ein zarter, etwas verspannter Mann, der lieber den Vögeln lauscht als viel Kontakt mit Menschen zu pflegen, nachdenklich und voller Selbstzweifel, aber mit Vertrauen in seine Intuition - etwa wenn er einen Verdächtigen ohne Alibi und mit jeder Menge Motive dennoch für unschuldig hält:
"Voss kann es nicht erklären, nicht mal sich selbst, es ist ein Gefühl, womöglich das Ergebnis seiner Erfahrung im Umgang mit Verdächtigen",
und Voss kennt die Verhältnisse im Dorf, denn sein Vater arbeitete selbst in der LPG.

Alltag der DDR

Maxim Leo weiß, wie der Alltag in der DDR die Menschen geprägt hat, und in seiner Kultkolumne in der Berliner Zeitung ist er mit viel Witz dicht dran am 'Leben als Mann' heute. Ganz nebenbei erfährt man einiges darüber, wie es sich in Brandenburg vor und nach der Wende so lebte, etwa wie mit dem Handel mit Obst und Gemüse aus den privaten Gärten viel verdient wurde und die Geschäfte in den Dörfern umso besser liefen, je schlechter es dem ganzen Land ging.

Überraschungen im Wald

Auch wie sich das menschenleere Land mit der Windkraft verändert und was sich so alles unter dem Wald verbirgt, aus den Zeiten der Paranoia des Kalten Krieges, interessiert den Kommissar mit dem albernsten aller Dienstwagen. Wie er sich bei seinen Kollegen in der Dienststelle Bad Freienwalde und im Dorf allmählich und mit einiger Mühe Respekt verschafft, ist mindestens ebenso fesselnd und gut geschrieben wie der Fall um die zur Strecke gebrachten reichen Männer.
(Lore Kleinert)

Maxim Leo *1970 in Ost-Berlin, Journalist und Drehbuchautor, lebt in Berlin

Maxim Leo "Waidmannstod"
Der erste Fall für Kommissar Voss
Krimi, Kiepenheuer & Witsch 2014, 288 Seiten, 14,99 Euro
eBook 12,99 Euro

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