Neue Bcher

Georg M. Oswald
Unter Feinden

Sie haben Hochkonjunktur: "Literarische" Krimis, also solche, die ein bisschen mehr sein wollen - mehr als eben nur ein Krimi. Das kann sich an der Sprache zeigen, an den Figuren, dem Plot im Krimi macht sich derzeit alles gut, was die herkömmlichen Strukturen des Genres auf den Kopf stellt. Sprich: was die LeserInnen ein wenig irritiert.

 

Georg M. Oswald, Unter Feinden, PiperTerrorfahndung und Fahrerflucht

Im Falle des neuen Romans von Georg M. Oswald haben wir es mit einem Ermittlerduo zu tun, wie es in keinem "Tatort"-Drehbuch steht. In München wird eine hochkarätige internationale Sicherheitskonferenz vorbereitet. Die beiden Polizisten Diller und Kessel sind abkommandiert, um im Rahmen einer Terrorfahndung eine Wohnung zu observieren. Dieser nächtliche Einsatz jedoch läuft ganz fürchterlich aus dem Ruder. Kessel baut richtigen Mist, er fährt einen jungen Muslim über den Haufen. Diller versucht, seinen Freund zu decken und zu retten, was geht.
Amir, das Fahrerfluchtopfer, liegt im Koma, und eine deutschtürkische Staatsanwältin beginnt nach dem Täter zu fahnden. Kessel taucht ab, in sein ganz eigenes Universum. Diller schlägt sich nebenbei mit den Schulproblemen seines Sohnes herum. Der Termin der Sicherheitskonferenz rückt immer näher...

Realitätsnüchtern und clever geplottet

"Unter Feinden" ist, auch wenn es in München spielt, beileibe kein bayerischer Regionalkrimi. Im Gegenteil: Georg M. Oswald schreibt so geradezu und realitätsnüchtern, als wäre dies ein Dokudrama. Zugleich ist die Geschichte ausgesprochen clever geplottet. Man folgt den beiden Bullen, dem dämlich Gescheiterten und dem sympathischen Vertuscher, mit großer Spannung. Bis hin zum, ja, irritierenden Showdown – mit seinem gewissen Schüsschen Zynismus.
(Gabi von Alemann)

Georg M. Oswald *1963 in München, Anwalt und Schriftsteller

Georg M. Oswald "Unter Feinden"
Piper Verlag 2012, 256 Seiten, 18,99 Euro

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