James Rayburn
Fake

"Es geht nur um die Fähigkeit, das Narrativ zu kontrollieren, den Nachrichtenkreislauf zu bestimmen."
Pete Town, früherer CIA-Führungsoffizier, wird aus seinem Ruhestand zitiert, um die Medien zu betrügen, von denen die vom IS in Syrien gefangengehaltene Ärztin Catherine Finch zum Friedenssymbol hochgehypt wurde.

 

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Offenbar ist sie bei einem Drohnenangriff der Amerikaner ums Leben gekommen – sehr schlecht für den Friedensplan, mit dem sich der scheidende Präsident einen guten Namen machen will.
"Dass wir Catherine Finch getötet haben, setzt sozusagen den Olivenzweig in Brand und grillt die kleine weiße Taube."
Pete Town, ein "Relikt aus der analogen Vergangenheit", soll das mediale Leben der Frau künstlich verlängern, indem er ihren versoffenen Ehemann, einen gescheiterten Schriftsteller, zum Lügen nötigt – Catherine Finch habe überlebt und sich gemeldet.
Fake News, derzeit ein Lieblingswort des US-Präsidenten, standen am Beginn des Irakkriegs und dienten zu allen Zeiten zur Verunsicherung und Ablenkung. Ein alltäglicher Auftrag also – doch dann läuft alles aus dem Ruder, denn die unterschiedlichsten Interessen kollidieren. Die Waffenlobby setzt alles daran, die Friedensbemühungen zu torpedieren, mit Mord und mithilfe korrupter Senatoren beider Parteien:
"Sie saßen beide im Verteidigungsausschuss des Senats und drückten routinemäßig Gesetze durch, die die Kriegskasse des Pentagon plünderten und Milliarden in die Taschen der Waffenhersteller spülten…dafür wurden sie großzügig entlohnt."

Authentische Figuren

Der südafrikanische Erfolgsautor Roger Smith, der unter dem Pseudonym James Rayburn seinen zweiten Agententhriller veröffentlicht, eröffnet den Akteuren im Krieg im Nahen Osten originell und mit tiefer politischer Einsicht eine Bühne, indem er durchweg glaubwürdige und sehr authentische Protagonisten aufeinander loslässt. Es gelingt ihm, ihre jeweiligen Perspektiven auf das Geschehen knapp und lakonisch zu verknüpfen, und mit großer Spannung baut sich ein Geflecht von Verrat, Lügen und Gewalt auf. In dieser höchst aktuellen und hochkomplexen Geschichte sind Gut und Böse kaum mehr zu unterscheiden – bis zum bitteren Ende.

Bild eines Fremden

Pete Finch, ein "Mann wie geschaffen, um zu schweigen, zu warten" steht im Zentrum, obwohl er die Fäden keineswegs in der Hand hält. Ein grauer, ruhiger Mann mit liebenswerten Eigenschaften, nach dem Vorbild der Helden John Le Carrés, den seine Kritik an den gefälschten CIA-Informationen über Massenvernichtungswaffen ins Abseits befördert hatte. Seine angenehme Ehe mit der bekannten Fotografin Ann wird in das böse Spiel hineingezogen, denn sie selbst hat eine verschwiegene Vergangenheit, die sie nun einholt.
"Ann hob ihre Kamera und machte ein Foto von ihm, das leise Klicken des Leica-Verschlusses übertönt vom Regen, und sie wusste, falls sie je wieder nach Hause kam und das Negativ vergrößerte, würde das Bild eines Fremden zum Vorschein kommen."
Kleine, prägnante Beobachtungen wie diese heben Rayburns Politthriller weit über den Standard des Genres hinaus. Pete Towns russischer Kollege Arkadi, Feind und Freund aus alten Tagen, bringt die Grundidee dieses rasanten und bestens komponierten Thrillers auf den Punkt:
"Wie du selbst nur zu gut weißt, Pete, muss man die Sprache des Bösen sprechen, um es zu besiegen."
(Lore Kleinert)

James Rayburn, alias Roger Smith, *1960, Drehbuchautor, Regisseur und Produzent, lebt in Thailand

James Rayburn "Fake"
übersetzt aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
Thriller, Klett Cotta, Stuttgart 2018, 383 Seiten 16,95 Euro
eBook 13,99 Euro