Garry Disher
Kaltes Licht

Eine Schlange namens Kupferkopf verkriecht sich unter einer bröckeligen Betonplatte neben einem Haus. Sie zu töten, würde 6000 Dollar Bußgeld kosten, also wird ein Schlangenfänger auf sie angesetzt – mit Erfolg. Nur findet man unter der Platte dann auch ein menschliches Skelett.

 

Garry Disher, Kaltes Licht. Kriminalroman, UnionsverlagAusgebrannt und traurig

Ein Fall für die Abteilung für ungelöste Fälle und vermisste Personen, und Sergeant Alan Auhl tritt auf den Plan, ein neuer Mann in Garry Dishers weitverzweigtem Universum australischer Polizisten. Ein interessanter Ermittler: Gerade wieder zurück bei der Polizei, die er mit fünfzig, ausgebrannt und traurig nach dem Ende seiner Ehe verlassen hatte, nach zehn Jahren uniformierter Truppe, zehn Jahren Sondereinheiten und zehn Jahren Mordkommission.
"Damit gingen fünf Jahre zu Ende, in denen er nur die Zeit totgeschlagen hatte. Urlaubsfahrten ab und an, Lesen, Erwachsenenfortbildung, hoffnungslose und/oder katastrophale romantische Verwicklungen, gelegentliche freiwillige Mitarbeit bei verschiedenen Wohlfahrtsorganisationen."

Guter Beobachter

Leicht hat er es zunächst nicht, denn seine Kollegin Claire Pascal nennt ihn '‚alter Mann' der gefälligst an seinen Rollator denken solle, und man hat ihn zurückgeholt, um jüngere Detectives für andere Aufgaben freizusetzen. Doch Auhl ist nicht nur erfahren und besonnen, sondern auch ein guter Beobachter mit großem Herzen. Sein geräumiges Haus in Victoria, das Chateau Auhl, beherbergt nicht nur seine studierende Tochter und mitunter seine Ex-Frau, sondern wechselnde Wissenschaftler sowie Neve, die mit ihrer Tochter Pia vor ihrem gewalttätigen Mann geflüchtet ist. Es steht allen offen, die Unterschlupf und Hilfe brauchen, und Auhl ist ein Mann, der sich einlässt und hilft. Außer der Suche nach der Herkunft des 'Plattenmanns', wie das Skelett genannt wird, wird er in den Sorgerechtsprozess um Pia hineingezogen, deren Vater sich äußerst unangenehm aufführt.

Ein Serienmörder

Der Tod des Farmers John Elphick, der vor Jahren als Unfall verbucht wurde, lässt ihm keine Ruhe, und ein weiterer alter Fall um einen Arzt, dessen frühere Frauen unter dubiosen Umständen starben, taucht ebenfalls wieder auf. Auhl ist überzeugt, dass Alec Neill ein Serienmörder ist, der etliche Merkmale mit anderen Akteuren in diesem Roman teilt:
"Männer wie Kelso, Fanning – Alec Neill. Ihre Anmaßung, ihre Vetternwirtschaft, ihre Macht, ihr Gefühl, ein Anrecht auf etwas zu haben. Erstschlagsmänner: Sie packten die Gelegenheit beim Schopf, während der Rest der Welt erst alles durchdachte."
Garry Disher hat mit Alan Auhl ein starkes Zentrum geschaffen, das alle vier Handlungsstränge in glaubwürdiger Balance hält und perfekt Themen wie Pädophilie, häusliche Gewalt und fundamentalistische Sektiererei kundig verhandelt. Sein Kriminalroman spielt mit der genauen Kenntnis der Details und der Grenzen des Gesetzes, und aus dem Gerechtigkeitsempfinden seines Ermittlers, der mit diesen Grenzen und Regeln in höchst eigener und unkonventioneller Weise verfährt, entwickelt sich eine besondere und überraschende Spannung. Wunderbar lakonisch entwickelt Disher die Herausforderungen komplexer Polizeiarbeit und gewährt jeder Person Raum und Farbigkeit, den Polizisten ebenso wie den Randfiguren. Man hofft auf weitere Begegnungen mit Alan Auhl.
(Lore Kleinert)

Garry Disher, *1949, aufgewachsen im ländlichen Südaustralien, schreibt Romane, Kurzgeschichten, Kriminalromane und Kinderbücher, lebt in der Nähe von Melbourne

Garry Disher "Kaltes Licht"
aus dem Englischen von Peter Torberg
Kriminalroman, Unionsverlag 2019, 320 Seiten, 22 Euro
eBook 18,99 Euro

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