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Eva Demski
Rheingau

Der Rheingau ist das, was man einen von Dichtern viel besungenen 'Sehnsuchtsort' nennt. Nicht nur der Wein inspiriert, auch die üppigen Weinberge, die dieser Landschaft den besonderen Reiz geben, Burgen und Schlösser lugen diesseits und jenseits des Rheins aus dichtem Grün hervor, und mittendrin beeindruckt der imposante "Vater Rhein", auf dem die Kreuzfahrtschiffe ankern und ihre Gäste gruppenweise an Land schicken.

 

Buchtipp Eva Demski, Rheingau, Hoffmann und CampeViel besungen

Aber wie das so ist mit Sehnsuchtsorten, wo mystische Legenden blühen: Alle wollen hin, der Tourismus blüht und mit ihm die sattsam bekannte Souvenirindustrie. Romantik gibt es hier erst auf den zweiten Blick: malerische Altstadtgässchen, typische Straußwirtschaften und kühle Weinkeller, in denen gern alte Geschichten erzählt werden - von Winzern und vom Wetter und vom Wein, der hier so reichlich wächst und fließt: der Riesling.

Mit liebevollem Blick

Eva Demski enthüllt die versteckten Idyllen und verträumten Winkel jenseits des Massentourismus, der dem Rheingau zu Wohlstand verhilft. Sie führt uns durch Geschichte und Gegenwart dieses kleinen Landstrichs, richtet den Blick manchmal kritisch und stets liebevoll auf Niederwalddenkmal, Germania und Loreley, auf Winzer und Weingüter, auf Mäuseturm und Rheingold, Brentano-Haus und Sektkellerei, Wispertal und Rosengärten. Denn neben Wein liebt man in dieser Gegend die Rosen, die in allen Farben überall prachtvoll blühen und selbst in die kleinste Hausecke noch einen duftenden Farbklecks setzen.

Lieber rot statt weiß

Riesling – das ist der Wein dieser Region, ein weißer also, den Eva Demski leider gar nicht mag. Sie liebt einen roten und der wächst längst auch im Rheingau. Selbst wenn deutscher Rotwein nicht den besten Ruf genießt, der vom Assmanshäuser Höllenberg rinnt fein durch die Kehle, mit oder ohne Fest.

Endlich wieder Winzerfest

Gefeiert wird viel und gern und eigentlich immer im Rheingau – von Eltville bis Rüdesheim, von Oestrich bis Assmannshausen. Der Wein liefert genügend Anlässe, aber auch die Rosen tun es, Frühling, Sommer und natürlich die Weinlese im Herbst. Eva Demski beschreibt das alles höchst amüsant, war doch die Großmutter Rheingauerin, die es an die Donau verschlug. Der Rheingau wurde Ferienland und Wein machte schon früh das Dasein wieder ein bisschen erträglicher:
"Als hätte der Wein mit seinen goldenen Fluten dort alles Böse weggespült, den Krieg und den Tod. Das Leben: endlich wieder ein Winzerfest."

Pracht und Romantik

Im Rheingau muss suchen, wer Romantik finden will, aber er findet sie. Auch alte Pracht in schönen Schlössern und den luxuriösen Überfluß. Das Büchlein von Eva Demski ist mit seinen heiteren literarischen Miniaturen ein wunderbarer Begleiter durch Mystik und Mythen des Weinlandes, durch Gegenwart und Vergangenheit – sogar durch die weltberühmte Drosselgasse, eine typische Amüsiermeile voller Kneipen, in denen Reisegesellschaften nicht nur Weinseligkeit suchen. Auch Bier wird hier reichlich ausgeschenkt.
"Eine Gasse voll Vergnügungen, voll Gemeinsamkeit, in der jeder so falsch singen darf wie er will."
(Christiane Schwalbe)

Eva Demski *1944 in Regensburg, Schriftstellerin, lebt in Frankfurt

Eva Demski "Rheingau"
Hoffmann und Campe 2011, 125 Seiten, 15,00 Euro

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