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Ilija Trojanow
Die Versuchungen der Fremde

Ilija Trojanow lebte in Nairobi, Bombay und Kapstadt. Heute ist Wien seine Heimat. Den Versuchungen der Fremde ist er immer wieder erlegen – als Weltensammler, Globetrotter und literarischer Reiseschriftsteller, den die Fremde stets und ständig lockt. Seine drei großen Reiseerzählungen, die dem "Weltensammler" vorausgingen, sind in diesem Buch vereint: "In Afrika", "An den inneren Ufern Indiens" und "Zu den heiligen Quellen des Islam".

 

Ilija Trojanow, Die Versuchungen der FremdeStets mittendrin

Trojanow erzählt faszinierende Geschichten von Land, Leuten und Kultur, ist auf seinen Reisen, die ihn auf wenig befahrene Seitenwege des Tourismus führen, stets "mittendrin". Wohl deshalb sind seine Beschreibungen so authentisch und einfühlsam. Er versucht, dem Lebensgefühl der Menschen auf die Spur zu kommen, und das geht nur, wenn man sich aus der Distanz herauswagt. Seine Erfahrungen sind dabei nicht immer ganz ungefährlich, z.B. im Boot auf dem heiligen Fluss Ganges, der "Mutter Ganga", in dem die Gläubigen ihr Bad nehmen. Ins Wasser fallen möchte man hier nicht.
"Als Göttin ist Ganga stark genug, alle Sünden abzuwaschen. Sie selbst bedarf keines Schutzes, keiner Rücksicht. Schmutz bleibt nur an Sterblichen haften, Götter sind verschmutzungsresistent. Deswegen glauben die Menschen, auch dann gereinigt zu werden, wenn Ganga eine Kloake ist."

Pilger und Beobachter

Hautnah geht es auch auf seiner Pilgerfahrt nach Mekka, der Hadsch, zu, auf dem ihm seltsame Erlebnisse mit Menschen und Ritualen prophezeit werden. Nach Drängeln und Schubsen und dem Kampf um seinen Platz inmitten von Hunderttausenden von Pilgern dann die Einmaligkeit:
"Der Anblick war ergreifend. Unmittelbar. Ohne Betrachtung oder Reflexion. Die einfache Form der Kaaba, das schwarze Brokat – die Kiswah, schön wie ein Brautschleier -, der pilgergesättigte Innenhof, der Strudel um den unbeugsamen Kubus herum. "
Trojanow wechselt die Rollen – mal ist er Pilger, mal distanzierter Beobachter, dann wieder begeisterter Teilnehmer eines Rituals, das auf Europäer durchaus befremdlich wirkt.

Religion und Politik

Ob Indien oder Ostafrika, wo er sich erklärtermaßen zwischen Mythos und Alltag bewegt, ob Hadsch, Suahelihochzeit oder den Spuren des Sklavenhandels auf Sansibar folgend - immer ist Trojanow Beobachter und Entdecker. In seinen sprachlich klaren und journalistisch detailreichen Reisebeschreibungen geht es um Traditionen und Kultur, Alltagsleben und Religion, aber auch um politische Reflexionen, um gesellschaftliche und wirtschaftliche Machtverhältnisse. Neben dem Reiseabenteuer steht stets die Realität, die sich hinter bunten Eindrücken nur unzureichend verbirgt.
(Christiane Schwalbe)

Ilija Trojanow *1965 in Sofia, Bulgarien, deutscher Schriftsteller, lebt in Wien

Ilija Trojanow "Die Versuchungen der Fremde"
Mit einem Vorwort von Roger Willemsen
Malik Verlag 2011, 512 Seiten, 20 Euro

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