Neue Bcher

Lily Brett
"Lola Bensky"

Seit ihr Roman "Chuzpe" erschien (2006), haben wir auf ein neues Werk von Lily Brett lange warten müssen. Nun kommt sie mit Lola Bensky, und wir können allen ihren Fans versprechen: Ihr werdet euch köstlich amüsieren.

 

Buchtipp Lily Brett, Lola Bensky, SuhrkampAutobiografisch

Wie immer bei Lily Brett sind ihre Figuren autobiografisch grundiert.
Lola B. hat mit Lily B. nicht nur die Initialen gemeinsam, sondern auch die Vergangenheit als Journalistin bei einem australischen Rockmusik-Magazin. Und dazu das wichtigste Feature von Lily Bretts Protagonistinnen: Sie stammt von Eltern ab, die als deutsch-polnische Juden dem Holocaust und Auschwitz entkommen sind.

Humor und Melancholie

Lola ist also 20, es sind die schrillbunten 60er Jahre. Sie grübelt unentwegt darüber nach, dass sie zu dick ist, und plant Diäten. Sie erzählt, wie ihre entwurzelten Eltern Edek und Renia mit Humor und Melancholie das Überleben gemeistert haben, praktisch als Einzige aus der einstmals sehr großen Familie, die von den Nazis umgebracht wurde. Und Lola übt sich in ihrem neuen Job: Sie reist nach Europa und Amerika und interviewt Popstars und Rockmusik-Größen.

Jimi Hendrix und die Lockenwickler

Zum Beispiel Jimi Hendrix: Der ist freundlich und höflich und nachdenklich, und Lola und Jimi tauschen Privates aus, den Gebrauch von Lockenwicklern zum Beispiel. Oder Mick Jagger, der Lehrersohn und Ex-Wirtschaftsstudent, der sie unauffällig-gediegen gekleidet in seiner aufgeräumten Wohnung empfängt. Oder Janis Joplin, mit der sie beim legendären Festival von Monterey/Kalifornien plaudert. Oder Cher, die sich von Lola diamantbesetzte falsche Wimpern ausleiht, aber nie zurückgibt.

Panoptikum der Swinging Sixties

Wie immer bei Lily Brett liegen auch in ihrem neuen Roman Witz, Komik und Traurig-Anrührendes sehr nah beieinander. Und so folgen wir der jungen Lola Bensky sehr gern, sehr amüsiert und sehr Anteil nehmend durch ihre deutsch-polnisch-jüdisch-australische Jugend. Und durch ein Panoptikum der Swinging Sixties - und dies nicht zuletzt, weil so viele jener Stars von damals so jung gestorben sind. Was für ein wunderbares Buch, es ehrt die Toten und preist die Freude am Leben.
(Gabi von Alemann)

Lily Brett *1946 in Feldafing/Bayern, australisch-amerikanische Schriftstellerin, lebt in New York

Lily Brett "Lola Bensky"
Suhrkamp Verlag Sept. 2012, 303 Seiten, 19,95 Euro

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