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Isabel Allende
Der japanische Liebhaber

Als Bestsellerautorin weiß Isabel Allende, wie man einen Erfolgsroman komponiert. Diesmal ist es ein eher kitschiger Plot: Tochter aus bestem Hause verliebt sich in den Sohn des japanischen Gärtners. Eine Liebe, die angesichts der Standesunterschiede keine Chance hat.

 

Isabel Allende, Der japanische Liebhaber, Suhrkamp 2015Spurensuche

Immerhin: Diese Liebe währt 58 Jahre. Alma Belasco, inzwischen eine alte Frau, die aus dem Haus der Familie ausgezogen ist, lebt in einem Seniorenheim. Dort trifft sie Irina und macht sie zu ihrer Assistentin und Vertrauten:
"Irina war in einem Dorf in Moldawien aufgewachsen, in dem es nur Alte und Kinder gab. Allen fehlten Zähne, den einen waren sie schon ausgefallen, den anderen noch nicht gewachsen."
Zusammen mit Almas Enkel, der sich in die junge Frau verliebt, erlebt sie, wie die alte Dame in regelmäßigen Abständen verreist und beglückt zurückkehrt. Außerdem gibt es geheimnisvolle Briefe und regelmäßige Blumengrüße: Weiße Gardenien. Die beiden begeben sich auf Spurensuche.

Traumatische Vergangenheit

Die Liebe, das Alter und der Tod – das sind die Themen, die die 73jährige Autorin umtreiben, hinzu kommen Irinas traumatische Vergangenheit, die sie beziehungsunfähig macht, und Almas tragische Familiengeschichte. Sie ist noch rechtzeitig zum reichen Onkel nach Amerika geschickt worden und versteckt sich wochenlang weinend im Schrank. Ihr jüdischer Vater
"wähnte sich in Sicherheit, beschützt durch sein Geld und seine wirtschaftlichen Verbindungen; unter dem Druck der Nazipropaganda schickte er als einziges Zugeständnis seine Kinder außer Landes."

Irrationale Strafaktion

Allende fügt eine weitere Lebensgeschichte hinzu, die der japanischen Gärtnerfamilie, die jahrelang im Internierungslager leben musste, in die die Amerikaner nach dem Angriff auf Pearl Harbor mehr als 100 000 eingebürgerte Japaner stecken. Den Blick auf diese fast vergessene Deportation in den USA zu lenken, ist ein Verdienst von Allende, die sehr genaue Einblicke in die elende Lebenssituation der Japaner liefert, die bestens integriert in Amerika lebten und plötzlich einer irrationalen Strafaktion ausgesetzt waren:
"Alte wurden aus Hospitälern, Säuglinge aus Waisenhäusern und psychisch Kranke aus Pflegeeinrichtungen verschleppt und in zehn Internierungslager in abgeschiedenen Regionen im Landesinnern gesperrt, während in den Städten Geisterviertel entstanden, … wo die verwirrten Seelen der Vorfahren umgingen, die den Einwanderern nach Amerika gefolgt waren."

Ziemlich unangepasst

Sympathisch ist ihr Blick auf die skurrilen Alten im kalifornischen Seniorenheim, die alle eine irgendwie widerständige Vergangenheit haben, immer noch gern mal einen Joint rauchen und ziemlich unangepasst geblieben sind. Allende fügt wie gewohnt viele unterschiedliche Erzählstränge zusammen, aber das Elend der Welt, der Widerstand gegen Unrecht und Gewalt und der Glaube an die große und leidenschaftliche Liebe reichen ihr nicht, da muss auch noch ein Bruder her, der Soldat war, Mitarbeiter im israelischen Geheimdienst und totgeglaubt.

Große Erzählfreude

Gleichwohl wird auch dieser Roman getragen von der großen Erzählroutine der Autorin, ihrer Lust an fantastischen oder tragischen, in jedem Fall ausufernden Lebensgeschichten, denen man über vielfältige Rückblicke folgen muss, bis sich doch alles irgendwie zum Guten fügt. Ein Schmöker eben, kitschig und trivial, aber auch romantisch und ambitioniert.
(Christiane Schwalbe)

Isabel Allende *1942 in Lima, Peru, Journalistin und Schriftstellerin, lebt in Kalifornien

Isabel Allende "Der japanische Liebhaber"
aus dem Spanischen übersetzt von Svenja Becker
Roman, Suhrkamp 2015, 336 Seiten, 21.95 Euro
eBook 18.99 Euro

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