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Connie Palmen
Logbuch eines unbarmherzigen Jahres

Als sie heiraten, sind sie elf Jahre und elf Tage zusammen, es ist der 11. November 2009. Die Schriftstellerin Connie Palmen und Hans van Mierlo, einer der beliebtesten Politiker Hollands, haben sich eine glückbringende Schnapszahl ausgesucht. Aber es kommt anders: Vier Monate später stirbt van Mierlo, am 11. März 2010.

 

Buchtipp Connie Palmen, Logbuch eines unbarmherzigen Jahres, DiogenesIm Strom des Kummers

Logbuch nennt Connie Palmen ihre Aufzeichnungen, mit denen sie sechs Wochen nach dem Tod ihres Mannes beginnt, "Logbuch eines unbarmherzigen Jahres". Es ist kein Tagebuch, kein Roman, es hat keine geplante oder gar vollendete Struktur, aber
"man kann ein Log in den Strom des Kummers senken, dessen Geschwindigkeit messen, dessen Tiefe peilen. Da darf man auch tagelang untätig liegen bleiben, weil man nicht mehr weiter kann …"

Ausgeliefert

Und sie kann oft nicht mehr weiter in diesem Jahr, in dem sie versucht, "gegen das Vergessen anzuschreiben", um sich ihrem Kummer nicht gänzlich auszuliefern, in dem Freunde und Verwandte ihr helfen, lebendig zu bleiben, im Strudel der Gefühle nicht zu ertrinken, mit Schmerz, Trauer, Verzweiflung und Sehnsucht irgendwie fertig zu werden. Immer wieder scheitert sie, denn "es ist unbegreiflich, dass ein Mensch das überlebt, dass das überhaupt zu überleben ist …"

Im Bann des Todes

Zum Tod des geliebten Mannes kommen Krankheit und Sterben anderer Menschen, die ihr wichtig sind. Es ist, als umkreise der Tod die Autorin, unerbittlich und gnadenlos. Um das alles zu verarbeiten, liest sie Bücher über den Tod, wühlt sich regelrecht hinein in ein Thema, das ihr schon einmal viel Schmerz zugefügt hat, als ihr Lebensgefährte I.M. plötzlich einem Herzinfarkt erlag. Auch damals half ihr ein Buch, den Verlust zu verkraften – "I.M. - Ischa Meijer in memoriam" .

Gnadenlos offen

Es dauert lange, bis sie aus der Achterbahn ihrer Gefühle heraus und im Sinne des Wortes wieder auf die Beine kommt. So gnadenlos wie dieses Jahr, so schonungslos offen und ehrlich ist auch Palmens Logbuch, schmerzhaft genau in der Beschreibung ihres Verlustes, ein einziger Aufschrei, bei dem sich die Grenzen zwischen Tod und Leben verwischen. Aber es ist auch ein (Log)Buch für das Erinnern, in dem sich Gefühle befreien und wieder verorten und der Verstand zu sortieren und begreif-bar einzuordnen beginnt, was bislang unbegreiflich schien.
Ein ebenso berührendes wie verstörendes Buch.
(Christiane Schwalbe)

Connie Palmen, *1955 niederländische Schriftstellerin, lebt in Amsterdam

Connie Palmen - Logbuch eines unbarmherzigen Jahres
Übersetzung Hanni Ehlers, Diogenes Verlag Febr. 2013, 265 Seiten, 21,90 Euro

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