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Xifan Yang
Als die Karpfen fliegen lernten
China am Beispiel meiner Familie

Xifan Yang ist in China geboren, mit vier Jahren nach Deutschland gekommen und in Freiburg aufgewachsen. Lange wollte sie von ihrer Heimat nichts wissen, inzwischen lebt sie als Journalistin und Autorin wieder in China, in Shanghai. Für die Chinesen ist sie eine "Banane" – außen gelb und innen weiß.

 

Xifan Yang, Als die Karpfen fliegen lernten, HanserSpurensuche

"Als die Karpfen fliegen lernten" ist eine familiäre Spurensuche, die sich vor allem auf Herrn Peng, ihren Großvater, konzentriert. Er singt gern und möchte trotz seines hohen Alters – er ist über 80 – immer noch berühmt werden. Sein Leben war aufregend und hart, immer im Dienste der Partei und begeistert von Mao, obgleich er Verfolgung und Demütigung erleiden musste. "Maos Propagandamaschine entwarf pausenlos paradiesisch klingende Zukunftsszenarien. Auf Postern wurde nicht weniger als ewiges Glück für alle versprochen … Überall weist der Große Vorsitzende den richtigen Weg."

Erschreckendes Bild

Wer seine Klappe nicht halten konnte – und Herr Peng konnte das nicht - wurde denunziert, verfolgt, zu Zwangsarbeit verurteilt, verbannt und gequält. So erging es Xifan Yangs Großvater während mehrerer Säuberungskampagnen gleich mehrfach, denn seine "kleinbürgerliche Herkunft äußert sich in schwerwiegenden individualistischen Tendenzen". Und Individualismus war verboten.

Wechselvolle Geschichte

Auf der Suche nach ihren Wurzeln und nach der wechselvollen Geschichte ihrer Familie hat Xifan Yang die Entwicklung Chinas seit Mao recherchiert und liefert am Beispiel ihres Großvaters ein ebenso schillerndes wie erschreckendes Bild des Riesenreiches unter Mao Zedong und später Deng Xiaoping, der nach dem Tod des "Großen Vorsitzenden" die Führung übernahm.

Der "Große Sprung"

Der Autorin gelingt es, die Parteiakten ihres Großvaters ausführlich zu studieren und mit der erschütternden Geschichte von Herrn Peng auch die Geschichte von Millionen damals im Elend lebender Chinesen zu erzählen. Denn als Mao zu seinem "Großen Sprung" nach vorn aufrief, ließ er sein Volk buchstäblich verhungern, zerstörte Kultur und persönliche Biografien. Es gab keinen Privatbesitz, die Menschen wurden terrorisiert und zu harter Arbeit gezwungen.

Persönlicher Blick

Drei Generationen umfassen ihre Recherchen, aber es sind nicht allein die Fakten, die ihr Buch spannend machen. Es ist vor allem der liebevolle und sehr persönliche Blick einer jungen Frau auf ihre Familie und der Versuch, ein umstrittenes Land zu begreifen, das ebenso anziehend wie verwirrend ist, schon lange im Mittelpunkt des weltwirtschaftlichen Geschehens steht und dessen Weiterentwicklung rasant vorwärts geht. Informativ und spannend.
(Christiane Schwalbe)

Xifan Yang "Als die Karpfen fliegen lernten"
China am Beispiel meiner Familie
Hanser Berlin 2015, 336 Seiten, 19,90 Euro
eBook 15,99 Euro

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