Neue Bcher

Daniel Chamovitz
Was Pflanzen wissen
Wie sie sehen, riechen und sich erinnern

Die Frage nach intelligenten Pflanzen ist nicht neu, aber wann immer sie gestellt wird, löst sie Kopfschütteln und Ungläubigkeit aus. Schließlich haben Pflanzen kein Gehirn, das Wissen speichern oder gar die Umwelt analysieren könnte.

 

DANIEL CHAMOVITZ, Was Pflanzen wissen, Wie sie sehen HanserGeheimes Leben

Aber es gibt diese rätselhaften Phänomene: Ein Feld voller Sonnenblumen, die sich mit der Sonne drehen oder Pflanzentriebe, die aus versteckten Ecken plötzlich ins Licht streben, eine fleischfressende Pflanze, die eine Fliege verspeist. Bei genauer Betrachtung kennen wir viel vom geheimen Leben der Pflanzen, wir achten nur zu wenig drauf.

Verblüffende Fakten

Daniel Chovitz behauptet in seinem Buch natürlich nicht, dass Pflanzen eine dem Menschen gleiche Sinneswelt haben, wohl aber stellt er anhand zahlreicher wissenschaftlicher Studien unter Beweis, dass sie die Fähigkeit zu ganz unterschiedlicher Wahrnehmung haben. Die neuesten Forschungen auf dem Gebiet der Pflanzenbiologie sind reich an verblüffenden Fakten.


Pflanzen haben "komplexe Systeme der Sinneswahrnehmung und Regulierung entwickelt, die ihnen erlauben, bei ihrem Wachstum die wechselhaften Bedingungen zu berücksichtigen" – also veränderte Wetterlagen, Schädlinge, Jahreszeiten. Die Pflanze muss sich auf ihre Umwelt einstellen können, sonst geht sie ein.

Licht und Schatten

Pflanzen sehen – natürlich nicht wie Menschen mit den Augen. Aber sie nehmen Licht wahr, nicht nur quantitativ, auch die Qualität: Kerze, UV-Strahlen, Rotlicht, Sonnenuntergang. Das wusste schon Charles Darwin nach seinen bahnbrechenden Versuchen in der Pflanzenforschung. In seiner Nachfolge haben Wissenschaftler herausgefunden, dass Pflanzen beim Blühen manipuliert werden können, weil sie unterschiedliche Lichtzyklen haben.

Signale an die Nachbarn

Pflanzen duften nicht nur zu unserer Freude, sie benutzen Düfte auch, um Signale an ihre Nachbarn zu geben – ein simples Beispiel, das wir kennen: Reifende Äpfel geben Ethylen ab, das auch andere Früchte in der direkten Umgebung reifen lässt. Und der Keimling der Pflanze Teufelszwirn sucht riechend einen Wirt, um überleben zu können, am liebsten an einer Tomatenpflanze.

Daniel Chamovitz überrascht mit zahlreichen Beispielen dieser Art, die belegen, dass Pflanzen tatsächlich "sehen", "riechen", fühlen" und "sich erinnern" können, er zeigt auf genetischer Ebene Parallelen zwischen Pflanzen, Tieren und Menschen auf und beschreibt zugleich die jeweilige biologische Einzigartigkeit trotz ähnlicher Funktionen.

Abenteuerlich und spannend

Das klingt bisweilen absonderlich, abenteuerlich und verrückt, macht aber auf höchst spannende Weise deutlich, wie Pflanzen ihre Umwelt und uns Menschen registrieren, natürlich "nicht als Individuen. Wir sind nur einer von vielen äußeren Faktoren, die die Chancen einer Pflanze, zu überleben und sich erfolgreich fortzupflanzen, entweder erhöhen oder mindern".

Und nach der Lektüre dieses spannenden Buches ist klar, das das nicht nur mit zu viel oder zu wenig Gießwasser zu tun hat, denn Pflanzen leiden nicht. Sie vertrocknen ganz einfach. Schmerzfrei, aber nachhaltig.
(Christiane Schwalbe)

Daniel Chamovitz "Was Pflanzen wissen
Wie sie sehen, riechen und sich erinnern"
Hanser Verlag 2013, 208 Seiten, 17,90 Euro, eBook 13,99 Euro

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