Neue Bcher

Hamed Abdel-Samad
Mohamed
Eine Abrechnung

Es ist eine Abrechnung mit dem Propheten Mohamed, mit dem Koran und mit seiner eigenen Vergangenheit als radikalisierter Muslimbruder, die sich der ägyptisch-deutsche Politik- und Islamwissenschaftler Abdel-Samad von der Seele geschrieben hat, eine sehr persönliche, pointierte, manchmal auch überspitzte Abrechnung.

 

Hamed Abdel-Samad, Mohamed, Eine Abrechnung, DroemerVon Krankheiten geplagt

Abdel-Samad versucht aus dem Koran, den Hadithen (mündlich überlieferten Aussagen Mohameds) und den Schriften der späteren Biografen des 8. und 9. Jahrhunderts ein Psychogramm Mohameds zu erstellen: Es ist das eines Mannes mit multiplen Krankheiten, der von Verlustängsten und Kontrollzwängen beherrscht wird und unter Paranoia und sogar Epilepsie leidet:
"In zahlreichen Hadithen lesen wir, dass Mohamed beim Empfangen des Koran Glockenklang hörte, er schnarchte wie ein Kamel, schwitzte stark. ... Er zitterte stark und hatte gelegentlich Schaum vor dem Mund."

Toleranter Prediger in Mekka

Mohamed - aufgewachsen ohne Vater und ab 6 Jahren auch ohne Mutter - war bis zu seinem 40. Lebensjahr relativ unbedeutend. Ungewöhnlich war allerdings seine Ehe: Mit 25 (spät) heiratete er eine fünfzehn Jahre ältere Witwe (ungewöhlich) und konnte dadurch dem einträglichen Geschäft eines Karawanenführers nachgehen. Aber dann erreichten ihn die Offenbarungen Allahs, und er versuchte, sich in Mekka als friedliebender, toleranter Prophet dieses alleinigen Übergottes zu etablieren. Er wurde aber nur verachtet und verhöhnt, zumal sein neuer Glaube das einträgliche Geschäft seiner Stammesbrüder gestört hätte, das sie mit den vielen Pilgern machten, die nach Mekka zur Kaaba kamen, dem schwarzen Stein.

Brutaler Krieger in Medina

So zog er nach dem Tod seiner wohlhabenden Ehefrau Khadidscha in die Wüstenstadt Medina, überzeugte dort andere Stämme von seiner monotheistischen Religion und entwickelte sich mit zunehmendem Erfolg immer mehr zu einem kompromisslosen, brutalen Heeresführer und Kämpfer für die Sache Allahs und für den Islam. Er ließ alle männlichen Juden in Medina grausam ermorden, das war sein "Geschenk" an die zum Islam Bekehrten, die nun deren Handelsgeschäfte übernehmen konnten. Mohamed verherrlichte den Krieg für den Sieg Allahs, verdammte die Ungläubigen, führte das Abhacken von Händen und Beinen als Strafe für Diebe, Abtrünnige und Verräter ein. Die Kriegsbeute wurde als Belohnung verteilt – auch Frauen gehörten dazu, als Sexsklavinnen.

Narziss mit Harem

Mohamed selbst hat dreizehn Frauen geheiratet, lebte – eine Ausnahmeregelung für den Propheten - mit bis zu neun Ehefrauen gleichzeitig, hatte dazu noch zahlreichen Sklavinnen. Frauen waren nach Mohameds Ansicht willenlose und austauschbare Objekte, auch für zeitlich begrenzte bezahlte Vergnügen: "Allah weiß Bescheid und ist weise." (Sure 4,24). Auf Männer, die ihr Leben als Märtyrer für Allah geopfert haben, wartet
"das himmlische Bordell, in dem Frauen Märtyrern rund um die Uhr zu Diensten sind. Jedem Märtyrer stehen 72 Jungfrauen zu, dazu noch deren siebzig Dienerinnen ... erstaunlich, dass nicht die Vereinigung mit Allah, sondern der endlose Sex im himmlischen Bordell den Kern der islamischen Erlösungsphantasie ausmacht."

Suren-Pingpong

Mohamed hat den Koran nach Abdel-Samads Auffassung für seine Zeitgenossen verfasst, für heutige Moslems ist es ein widersprüchliches Buch, das zu einem ständigen "Suren-Pingpong" verleitet: Der Koran ist Rechtsgrundlage für das tägliche Leben aller Muslime, Verhaltensvorschrift für Frauen und den Umgang mit ihnen, er dient als Ratgeber für Frieden und Toleranz, aber auch für brutale Bestrafung von Abweichlern und Ungläubigen. Er ist die Basis für alle islamischen Glaubensrichtungen, für die mehrheitlich friedlich-toleranten Muslime in aller Welt, aber auch für die extremen Islamisten:
"Niemand versteht Mohamed so gut wie der IS. Genau wie die Religionspolizei in Saudi-Arabien, die Fanatiker in Indonesien, al-Schabad in Somalia, Boko Haram in Nigeria und die Hamas im Gazastreifen." (Interview Abdel-Samad in "Die Welt")

Anregung zum Diskurs

Hamed Abdel-Samad vermittelt in seiner Streitschrift vielleicht keine wesentlich neuen Erkenntnisse über den Propheten und Menschen Mohamed. Aber er hat sie in dieser "Abrechnung" interessant, klar und für Muslime provokativ kritisch dargestellt, um einen Diskurs innerhalb des Islam auszulösen und den Koran als Text eines Menschen zu verstehen, der die Probleme des 7. Jahrhunderts vor Augen hatte. Eine wortgetreue und je nach Anhänger widersprüchliche Auslegung passt also nicht in ein freiheitliches 21. Jahrhundert, in dem Religion Privatsache ist. Ein lesenswertes und hochaktuelles Buch, das Mohamed in ein realistisches Licht setzt.
(Peter Ehrenfried)

Hamed Abdel-Samad *1972 bei Kairo als Sohn eines Imam, Politikwissenschaftler und Autor, seit 1995 in Deutschland, lebt seit einer Fatwa (Morddrohung von Islamwissenschaftlern 2013) unter Polizeischutz

Hamed Abdel-Samad "Mohamed"
Eine Abrechnung
Droemer 2015, 240 Seiten, 19,99 Euro
eBook 17,99 Euro

Weiterer Buchtipp zu Hamed Abdel-Samad
Der Islamische Faschismus - Eine Analyse

Anmerkung:
Abdel-Samad - auf dem schon die Morddrohung Fatwa liegt - hat das Buch diesmal nicht zunächst auf Arabisch veröffentlicht, weil der Zensurdruck auf seinen arabischen Verleger zu groß und zu gefährlich geworden wäre. Er hat 20 Internetvorlesungen auf Youtube gehalten, die bereits millionenfach angeklickt worden sind, nach seinen eigenen Angaben viel Zustimmung erhalten, aber auch kontroverse Diskussionen ausgelöst haben.

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